Tropfen

Was man nicht sehen, aber fühlen kann.

Ich hörte sie rufen: „Schatz ich muss noch tanken fahren!“ Es war Sonntag ein haschen Blick auf die Uhr, es war 20:33 Uhr, es regnete in Strömen. Es war ein schneller Griff zur Kamera, ein kurzer Check auf's Display, 25 % Akku. Puh ... ok ... aber einfach mal raus dachte ich, auch wenn es nur ne kleine Runde zur „Tanke“ war.

Die Scheibenwischer waren auf höchster Stufe, die Regentropfen platschten gegen die Windschutzscheibe, entgegenkommende Lichter der Scheinwerfer brachen sich in den Wassertropfen.

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Es war ein wundervolles Lichter- und Farbenspiel. Ich nahm die Kamera und drückte ab, ohne auf die Einstellungen zu schauen. Anhand vom Sound des Kameraverschlusses wusste ich, die Belichtung war nicht zu lange um aus der Hand zu fotografieren. Fokus? Anywhere! Ich hatte keine Lust, mir Gedanken zu machen, was ich haben möchte.

Ich nenn es den Überraschungseffekt. Das aktive Gefühl vom Fotografieren der auf mich wirkenden Situation fühlt sich gut an. Mehr brauchte ich in dieser Situation nicht

Auch hier blieb ich mir wieder treu dem Motto.

Was man nicht sehen, aber fühlen kann, ist wirkungsvoller, als das was klar ist.

Es ist einfach, dass loslassen von Erwartungen, Erwartungen die uns meistens enttäuschen.

Mir geht es so oft, dass ich mir ein Bild vornehme zu schießen, die Anforderungen aber nicht so vor treffe, wie ich sie gerne hätte. Hier kommt nur Frust in mir auf. Meine Erwartungen sind mir dann so oft im weg zum Zielfoto.

Es ist befreiend, etwas zu kreieren das man nicht reproduzieren kann, da es zufällig entstand.

Die Aufnahmen haben eine ganz bestimmte Wirkung auf mich, sie Wirken filmisch. Durch die Abstraktion der wenigen Farben gibt es mir Spielraum für eigene Interpretation der Farben und Formen im Bild.


Die kleinen Details der Straßenbeleuchtung und dem abstrahlenden Licht, dass sich durch den Regen und Dunst vervielfacht, wirken organisch und entwickeln dabei ihre eigenen Strukturen.

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Auch sehr abstrakte Werke entstehen dadurch. Ich finde sie so schön nichts-sagend. Ich finde, ein Bild muss auch nicht immer etwas erzählen oder direkt etwas vermitteln. Einfach mal die Fotos, Fotos sein lassen.

Der Blick auf die Kamera lies ein kleines Grinsen in mir zum Vorschein bringen. Es sind tolle Bilder geworden und das, aus einer kleinen Runde zur Tanke. Wollte ich solche Bilder machen, hätte ich sie wahrscheinlich nicht so umsetzen können.

Egal wie banal es auch sein mag. Fotos, Geschichten kann man in jeder Situation erzählen, auch auf dem weg zur Tankstelle.